Schlagwort-Archive: 4×4

F Roads…

Wie versprochen, bin ich dann doch noch aufgebrochen ins Hochland, um einige interessante Filmaufnahmen zu machen zum Thema Wasserdurchfahrten. Die Eindrücke sollt Ihr gerne mit mir teilen dürfen. Schauplatz waren die F88 von Nord nach Süd (Richtung Askja), sowie die F905 und die daran anschließende F910, auch Nord-Süd Richtung Askja.

Die Tour war schon seit längerem geplant, und da kommen wir schon zum ersten Thema: nach den aktuellen Konditionen erkundigen! Blöderweise ist just fünf Tage vor der Tour ein gewaltiger Erdrutsch im Askja Gebiet abgegangen, und ca 60 Millionen Kubikmeter Fels und Geröll sind in den Öskjuvatn gedonnert. Die Wucht war so gewaltig, daß es eine riesige Wassersäule gab und Tsunamiähnliche Wasserbewegungen im See. Der Öskjuvatn ist daraufhin übergeschwappt, und hat den danebenliegenden, kleineren Viti See durchgemischt. Dessen Wasserpegel ist seitdem mindestens zwei Meter höher, das Gebiet ist nach wie vor gesperrt, und einmal mehr ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ein Land, das ständig in Bewegung ist, das ist Island, und das Askja Gebiet ist nach wie vor sehr aktiv.

Ein bisschen Schade ist es schon, wenn man jetzt beispielsweise mal tripadvisor aufmacht, und sich die Bewerttungen vom Viti See anschaut, das war mal ein Badeparadies für Abenteurer. Baden im Vulkansee! Einmalig einmal, und nun für unabsehbare Zeit Geschichte.

Nun ist das alles daher gekommen, daß dieser Sommer ungewöhnlich warm ist, der Boden ist sehr weich und gibt weniger Halt als sonst, und dazu nagt das ungewöhnlich kraftvolle Schmelzwasser unerbittlich. Das bringt so machen Berg ins Wanken.

Mein Pech, daß nun eben zu dieser Zeit die Flüsse gut gefüllt waren und die Furten, die es zu durchqueren galt, anspruchsvoll waren.
Dazu kommt das lustige Detail, daß ich mir in den Kopf gesetzt hatte, diese Tour nicht, wie man meinen sollte, in einem der üblichen großen Jeeps zu absolvieren, sondern eben mit meinem kleinen tapferen, 28 Jahre alten Toyota Tercel.

Nachdem ich einem Bekannten, der bei der zuständigen Straßenaufsicht arbeitet, und für dieses Gebiet zuständig ist, versprochen habe, es nicht auszureizen, musste ich Árni, mein Auto noch etwas modifizieren. Das Wichtigste ist eigentlich, darauf zu achten, das der Motor kein Wasser ansaugen kann. Mit ein paar gut sitzenden Plastikrohren aus dem Baumarkt könnte ich einen passenden Schnorchel bauen, der hoch genug lag. Eine Bugwelle, die den Motorraum überschwemmt, kann leicht das Aus bedeuten, wenn Wasser in den Luftfilter gesaugt wird. Hier ist die Konstruktion:

20140730-193410-70450870.jpg

20140730-193409-70449701.jpg

Nicht Lachen bitte, Not macht bekanntlich erfinderisch. Die zweite große Gefahr im Hochland bergen die Reifen. Egal ob man jetzt Riesenreifen oder so kleine wie ich hat, auf diesen reifenmordenden Pisten mit ihren spitzen Steinen, Schlaglöchern und vielem mehr muss man den Luftdruck verringern. Vor Befahren der Piste also den Reifendruck senken von beispielsweise 2,3 Bar auf 1,5 oder noch weniger. Unten muss eine deutliche Ausbeulung zu sehen sein. Das gibt erstens besseren Halt wegen des größeren „Footprints“, und schützt zweitens eher vor einem Platten Reifen durch spitze Steine.

Reserverad bitte auch checken und mitführen, Werkzeug zum Wechseln nicht vergessen, und vielleicht vorher einmal üben. Ich hatte zwei Reserveräder dabei, das schadet nie.
Im Falle einer Reifenpanne (und eines alten Autos) am Besten als allererstes die Radmuttern mit WD40 einsprühen, bevor man irgendetwas Anderes macht. Dann hat es genügend Zeit einzuwirken, und die Radmuttern lassen sich nachher leichter lösen.
Kein WD40 dabei? Schämt Euch! Ohne eine Dose davon würde ich in Island (und vielleicht auch woanders) keinen Meter fahren! Kaufen!
Bevor es nun aber auf die F Roads geht, empfiehlt sich unbedingt noch ein Buch in die Bedingungen der Mietwagenfirma, falls Ihr mit dem. Mietwagen unterwegs sein solltet.
Es gibt Klassen, für die sind die F Roads tabu, und Verstöße dagegen werden schwer geahndet, und zwar nicht allein durch die Mietwagenfirmen, wenn die eventuell dahinterkommen, sondern vielmehr durch die Verkehrsüberwachung, Polizei und Rettungskräfte. Die haben nachher nämlich die Arbeit, wenn sie ausrücken müssen, um koreanische Kleinwagen samt übermütiger Besatzung aus irgendwelchen Schluchten oder Flüssen zu zerren.
Eine wichtige Ausnahme stellt die Straße 35 dar, die früher mit F klassifiziert war. Mittlerweile sind alle Furten überbrückt worden, und sie ist viel einfacher geworden. Deshalb der Wegfall der Klassifizierung zur Mountain Road. Trotzdem ist sie für normale PKW nur bedingt empfehlenswert, und man darf sie nicht mit jedem Mietwagen befahren. Bitte vorher erkundigen!

Falls es das eigene Auto sein sollte, ist dieses Schild für Euch wichtig:

20140801-173223-63143556.jpg

Das Verlangen nach 4×4 kommt deutlich rüber, und ist nicht nur als Empfehlung zu sehen. Außerdem wird signalisiert, dass es hier Furten zu durchqueren gilt. Eine Furt kann, je nach Saison, Wetterlage und Tageszeit sehr unterschiedlich aussehen. Wassertiefe, Strömungsgeschwindigkeit und. Fahrrinne können sich schlagartig ändern. Wie so eine Furt aussehen kann, seht Ihr unten, und ob wir es dadurch geschafft haben, sowie Fahrtipps zu Flussdurchfahrten und mehr zum Hochland lest Ihr bald im zweiten Teil der F Roads!

20140801-173936-63576667.jpg

20140801-173937-63577748.jpg