Archiv der Kategorie: On the road. Wie macht man´s?

F Roads zweiter Teil

Vielen Dank fürs Warten. 🙂
Zuallererst möchte ich gerne eine Anmerkung zu der Straße 35 hinterherschicken, über die ich im ersten Teil geschrieben habe. Ich bin sie vor zwei Wochen gefahren, und ich plädiere eindeutig für das große F vor der Nummer! Die Tatsache, daß die Furten überbrückt sind, machen aus dem Löwen keine Schmusekatze.
Im Ernst, während der nördliche Teil (bis Hveravellir) in Ordnung ist, wartet die südliche Hälfte mit allen Tücken auf, die das Hochland zu bieten hat. Ausgenommen steile Passagen vielleicht, so wie in den Westfjorden.
Bezeichnenderweise haben sie die Straßenschilder nie geändert. Da steht nach wie vor: F 35.
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Wer den Trip unterteilen möchte, kommt in der Hochlandoase Hveravellir unter. Bei Tripadvisor findet man so einiges über diese Herberge mit Hottub und Restauration und Campingplatz. Ich war auch dort und möchte einmal etwas klarstellen. Bitte haltet Euch immer Folgendes vor Augen: die Leute, die das bewirtschaften, haben eine Saison von drei, vier Monaten, der Rest ist Beiwerk und Glückssache. Ansonsten liegt das Gelände brach und kostet nur Geld an Reparaturen und Unterhalt. Alles, aber auch alles an Ausrüstung, von der Salamischeibe, über die Bettwäsche über Diesel bis hin zu Druckerpatronen muss über Stunden durch unwegsames Gelände herbeigeschafft werden, und auch wieder entsorgt werden…hier kommt nämlich keine Müllabfuhr.
Und deswegen finde ich es unfair, dann zu jammern, daß eine Übernachtung mit Frühstück 70€ kostet. Die Unterkunft ist extrem rustikal, das gebe ich zu, und die Privatsphäre bleibt größtenteils auch auf der Strecke (wenn man nicht eines der noch teureren Doppelzimmer bucht).
Aber diese Menschen arbeiten für uns in einer der unwirklichsten und häufig ungemütlichsten Gegenden der Welt, also zeigt bitte etwas Respekt! Zumal das Personal sehr freundlich ist.
Wer die Tour in einem durchfahren möchte, kann das selbstverständlich auch tun, aber den Hottub von Hveravellir sollte man nicht verpassen. Für ISK 400 darf man auch als Durchreisender rein. Hinter der Hütte ist ein schön angelegter Weg auf Stegen durch das brodelnde Geothermie Feld. Direkt von dort wird der (weitgehend naturbelassene) Hottub gespeist.

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In südlicher Richtung kommt nach kurzer Zeit der Abzweig F 735 in Richtung des Langjökull Gletschers. Die ersten vier Kilometer sind unproblematisch und führen zur Basisstation der Mountaineers of Iceland, die beeindruckende Exkursionsfahrzeuge haben.

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Hinter dem Parkplatz führt ein ziemlich heftiger Track hinunter zum Gletscher. Mit den LKW kann man dorthin eine Tour machen, es sind weniger als zehn Kilometer, und auf dem Gletscher spielen. Auch Quad Touren sind möglich. Oder man ist ganz blöd, und versucht es mit einem alten Tercel 🙂

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Weiter als bis da bin ich allerdings nicht gekommen. (Kurzer Einschub warum das überhaupt ging für die Technikinteressierten: erstens nur mit der kleinen Geländeuntersetzung, die er erstaunlicherweise trotz seines Alters hat, aber noch viel wichtiger: wegen seines Gewichts. Das Auto wiegt gerade einmal 800 kg und tanzt regelrecht über die großen Felsen. Zwei Toyota Landcruiser, die mit mir gefahren sind, mussten bei der Hälfte aufgeben. Aber nicht weil sie weniger geländegängig wären, sondern allein das Gewicht hat hier den Unterschied gemacht).

Soviel also zur F 35, der legendären Kjölur Route von Nord nach Süd.

Im ersten Teil über die F Roads ging es unter Anderem über Wasserdurchfahrten. Auf den Straßen im Hochland ist es normal, daß diese Art von Hindernis plötzlich vor einem auftaucht. Unterscheiden muss man hier drei Kategorien: die großen Furten sind als Erstes zu nennen. Diese sind immer da, haben eigene Namen, und sind auf den Straßenkarten mit einem „V“ gekennzeichnet. Wie groß, tief oder anspruchsvoll eine Furt ist, wird nicht angezeigt. Es gibt legendäre und berüchtigte wie þórsmörk oder Lindáa.
Wer jetzt nicht gerade einen Superjeep mit 44 Zoll Rädern hat, sollte vernünftigerweise immer folgende Routine anwenden:
An die Furt heranfahren, und seitlich parken, ohne nachfolgenden Verkehr zu behindern (Stichwort Superjeep). Hinuntergehen zur Durchfahrt und das Ganze auf sich wirken lassen. Bauchgefühl und erster Eindruck sind immer wichtig. Denn es geht nur um zwei Dinge: komme ich mit meinem Auto durch, und welches ist die beste Route durch den Fluss?
Meine Erfahrung hat gezeigt, daß in über 80% der Fälle die erste Idee im Nachhinein die richtige war. Bei den anderen 20% habe ich andere Autos beobachtet, die eben diese Route gefahren sind, die ich ins Auge gefasst hatte, und dabei in Schwierigkeiten kamen. Das gibt es natürlich auch mal.

Die meisten Schwierigkeiten sind übrigens hausgemacht: Anfänger fahren häufig zu schnell ins Wasser ein, produzieren eine Bugwelle und überfluten das Fahrzeug. Saugt der Motor einmal Wasser an, war es das dann meistens. Das sollte also tunlichst vermieden werden. Kurzer Einschub für Techniklaien: diese tollen Schnorchel, die manche Fahrzeuge haben, sind lediglich wassergeschützte Luftansaugstutzen für den Motor. Mit den Abgasen bzw Auspuff, wie viele denken, hat das nichts zu tun. Der darf ruhig unter Wasser, solange der Motor läuft und nicht ausgeht.
Das ist auch schon der zweite häufige Fehler: Schaltvorgänge im Wasser mit den damit verbundenen Gefahren. Es muss unbedingt vermieden werden, den Motor abzuwürgen. Ein Motor, der im Wasser ausgeht, wird allzuleicht ein Opfer von Schäden. Die Regel ist, niedriger Gang, am besten der Erste. Bei sandigem Untergrund eventuell mit niedriger Untersetzung. Nächster Fehler: den Überblick verlieren. So komisch es auch klingen mag. So manch einer (ich schließe mich da nicht aus) hat in einer breiten Überfahrt, die eventuell auch Inseln oder Kiesbänke in der Mitte hat, den Überblick und die Ausfahrt aus den Augen verloren. Also immer den Blick auf die Ausfahrt richten!
Aber zurück zur Routine: häufig kann man bereits eingefahrene Ein und Ausfahrten erkennen. Diese können, müssen aber nicht die ideale Strecke darstellen. Flüsse ändern sich häufig, führen beispielsweise morgens tendenziell weniger Wasser als abends. Nachdem Ihr Euch einen generellen Eindruck gemacht habt, geht es darum, festzustellen, wie tief die Furt wohl ist. Das kann man bis zu einem gewissen Grad vom Ufer aus erkennen. Grundsätzlich gilt außerdem, wo das Wasser munter über Steine rauscht, wird es flacher sein, als dort, wo es langsamer fließt. Viele Furten haben an der Seite flussabwärts eine Art Kante mit einem Mini Wasserfall von wenigen Zentimetern. In vielen Fällen ist es ratsam, mit der Wagenseite, die flussabwärts zeigt, dicht am Rand dieser Kante zu fahren.
Hilfreich zum Feststellen sind außerdem Stöcke zum reinpieksen oder Wathosen. Durchwaten ist natürlich eine sichere, aber zeitraubende Methode, die vor allem dann in Betracht gezogen werden sollte, wenn die einfachste und sicherste aller Regeln nicht angewandt werden kann: von anderen helfen lassen!
Denn: generell sollte man Flüsse oder Furten nicht alleine durchqueren. Das Auto mit der größten Bodenfreiheit sollte zuerst durchfahren. Dabei zuerst prägnante Karosserieteile wie Radnabe, Stoßstange oder Türgriffe (für die ganz Harten) einprägen und mit dem eigenen Wagen vergleichen. Bei der Durchfahrt des Referenzwagens könnt Ihr dann genau beobachten, welche Teile unter Wasser sind, und wie hoch der Wasserstand dementsprechend an Eurem eigenen Fahrzeug wäre.
Dann auch auf die Spur achten, die die anderen Fahrzeuge nehmen. Und danach die Beste auswählen. Meistens führt die Spur in einem Bogen flussabwärts, und kurz vor der Ausfahrt in einer kurzen Kurve ein kleines Stück flussaufwärts.
Aber das ist nur eine Erfahrung, und die ist auf keinen Fall allgemeingültig.

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Übrigens hat Árni alle Furten geschafft, hin und zurück und sogar mehr als ursprünglich geplant. Wie es der Zufall wollte, wurde er ausgestattet mit mehreren GoPros und wird jetzt als Statist in einer Island Doku DVD erscheinen. Wir haben an diesen Tagen an die 30 verschiedene Flussdurchfahrten gefilmt.

Anfangs habe ich ja von den verschiedenen Kategorien der Furten geschrieben. Neben den oben erwähnten, großen gibts es noch die zahlreichen, namenlosen Furten, die auf keiner Karte eingezeichnet sind. Aber generell gilt: wer eine F Road nimmt, muss mit Waaserdurchfahrten rechnen. F Roads, die nahe an Bergen vorbei führen, oder durch Täler oder Schluchten, sind geradezu prädestiniert für Wasserschlachten. Die F 899 beispielsweise, die westlich von der Skálfandi Bay nach Norden führt, ist nicht besonders lang, aber auf 25 km kam ich dort auf 30 Flussdurchfahrten. Links und rechts der Straße erheben sich die Berge fast durchgehend auf über 1000 Meter, und Schmelzflüsse gibts da natürlich alle 100 Meter. Also kann man sich vorher bei einem Blick auf die Karte schon gut darauf einstellen, was einen wohl erwartet.
Diese, kleinere Kategorie der Furten ist wechselhafter, meist kleiner und dafür weit häufiger als die erste Kategorie.

Als Drittes kommt eine interessante Art der Wasserdurchfahrten. Die Sonstigen. Und da kann so manche Überraschung kommen. Da gibt es Seen, die über Nacht entstehen, Wasserlöcher, oder komplette Straßen, die denken, sie wären ein Fluß. Wie diese hier:

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Bei so etwas bitte die Zeit nehmen und aussteigen. Die Begebenheit erkunden, den besten Weg checken, Machbarkeit prüfen, und dann erst los.

Das waren jetzt mal ein paar Sachen zum Thema Hochland, und wie komme ich auf der anderen Seite wieder raus?

Zum Schluß noch ein goldener Tipp zum besser Schlafen: wenn Ihr durch einen Fluß fahren wollt, und es könnte kritisch werden, befestigt ein Abschleppseil vorne an Eurem Fahrzeug, damit man Euch rausziehen kann, und zwar VOR der Durchfahrt. Es ist nämlich sehr unangenehm, in einem fließenden Gewässer unter Wasser eine Abschleppöse zu suchen!

In diesem Sinne gute Fahrt!

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F Roads…

Wie versprochen, bin ich dann doch noch aufgebrochen ins Hochland, um einige interessante Filmaufnahmen zu machen zum Thema Wasserdurchfahrten. Die Eindrücke sollt Ihr gerne mit mir teilen dürfen. Schauplatz waren die F88 von Nord nach Süd (Richtung Askja), sowie die F905 und die daran anschließende F910, auch Nord-Süd Richtung Askja.

Die Tour war schon seit längerem geplant, und da kommen wir schon zum ersten Thema: nach den aktuellen Konditionen erkundigen! Blöderweise ist just fünf Tage vor der Tour ein gewaltiger Erdrutsch im Askja Gebiet abgegangen, und ca 60 Millionen Kubikmeter Fels und Geröll sind in den Öskjuvatn gedonnert. Die Wucht war so gewaltig, daß es eine riesige Wassersäule gab und Tsunamiähnliche Wasserbewegungen im See. Der Öskjuvatn ist daraufhin übergeschwappt, und hat den danebenliegenden, kleineren Viti See durchgemischt. Dessen Wasserpegel ist seitdem mindestens zwei Meter höher, das Gebiet ist nach wie vor gesperrt, und einmal mehr ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ein Land, das ständig in Bewegung ist, das ist Island, und das Askja Gebiet ist nach wie vor sehr aktiv.

Ein bisschen Schade ist es schon, wenn man jetzt beispielsweise mal tripadvisor aufmacht, und sich die Bewerttungen vom Viti See anschaut, das war mal ein Badeparadies für Abenteurer. Baden im Vulkansee! Einmalig einmal, und nun für unabsehbare Zeit Geschichte.

Nun ist das alles daher gekommen, daß dieser Sommer ungewöhnlich warm ist, der Boden ist sehr weich und gibt weniger Halt als sonst, und dazu nagt das ungewöhnlich kraftvolle Schmelzwasser unerbittlich. Das bringt so machen Berg ins Wanken.

Mein Pech, daß nun eben zu dieser Zeit die Flüsse gut gefüllt waren und die Furten, die es zu durchqueren galt, anspruchsvoll waren.
Dazu kommt das lustige Detail, daß ich mir in den Kopf gesetzt hatte, diese Tour nicht, wie man meinen sollte, in einem der üblichen großen Jeeps zu absolvieren, sondern eben mit meinem kleinen tapferen, 28 Jahre alten Toyota Tercel.

Nachdem ich einem Bekannten, der bei der zuständigen Straßenaufsicht arbeitet, und für dieses Gebiet zuständig ist, versprochen habe, es nicht auszureizen, musste ich Árni, mein Auto noch etwas modifizieren. Das Wichtigste ist eigentlich, darauf zu achten, das der Motor kein Wasser ansaugen kann. Mit ein paar gut sitzenden Plastikrohren aus dem Baumarkt könnte ich einen passenden Schnorchel bauen, der hoch genug lag. Eine Bugwelle, die den Motorraum überschwemmt, kann leicht das Aus bedeuten, wenn Wasser in den Luftfilter gesaugt wird. Hier ist die Konstruktion:

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Nicht Lachen bitte, Not macht bekanntlich erfinderisch. Die zweite große Gefahr im Hochland bergen die Reifen. Egal ob man jetzt Riesenreifen oder so kleine wie ich hat, auf diesen reifenmordenden Pisten mit ihren spitzen Steinen, Schlaglöchern und vielem mehr muss man den Luftdruck verringern. Vor Befahren der Piste also den Reifendruck senken von beispielsweise 2,3 Bar auf 1,5 oder noch weniger. Unten muss eine deutliche Ausbeulung zu sehen sein. Das gibt erstens besseren Halt wegen des größeren „Footprints“, und schützt zweitens eher vor einem Platten Reifen durch spitze Steine.

Reserverad bitte auch checken und mitführen, Werkzeug zum Wechseln nicht vergessen, und vielleicht vorher einmal üben. Ich hatte zwei Reserveräder dabei, das schadet nie.
Im Falle einer Reifenpanne (und eines alten Autos) am Besten als allererstes die Radmuttern mit WD40 einsprühen, bevor man irgendetwas Anderes macht. Dann hat es genügend Zeit einzuwirken, und die Radmuttern lassen sich nachher leichter lösen.
Kein WD40 dabei? Schämt Euch! Ohne eine Dose davon würde ich in Island (und vielleicht auch woanders) keinen Meter fahren! Kaufen!
Bevor es nun aber auf die F Roads geht, empfiehlt sich unbedingt noch ein Buch in die Bedingungen der Mietwagenfirma, falls Ihr mit dem. Mietwagen unterwegs sein solltet.
Es gibt Klassen, für die sind die F Roads tabu, und Verstöße dagegen werden schwer geahndet, und zwar nicht allein durch die Mietwagenfirmen, wenn die eventuell dahinterkommen, sondern vielmehr durch die Verkehrsüberwachung, Polizei und Rettungskräfte. Die haben nachher nämlich die Arbeit, wenn sie ausrücken müssen, um koreanische Kleinwagen samt übermütiger Besatzung aus irgendwelchen Schluchten oder Flüssen zu zerren.
Eine wichtige Ausnahme stellt die Straße 35 dar, die früher mit F klassifiziert war. Mittlerweile sind alle Furten überbrückt worden, und sie ist viel einfacher geworden. Deshalb der Wegfall der Klassifizierung zur Mountain Road. Trotzdem ist sie für normale PKW nur bedingt empfehlenswert, und man darf sie nicht mit jedem Mietwagen befahren. Bitte vorher erkundigen!

Falls es das eigene Auto sein sollte, ist dieses Schild für Euch wichtig:

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Das Verlangen nach 4×4 kommt deutlich rüber, und ist nicht nur als Empfehlung zu sehen. Außerdem wird signalisiert, dass es hier Furten zu durchqueren gilt. Eine Furt kann, je nach Saison, Wetterlage und Tageszeit sehr unterschiedlich aussehen. Wassertiefe, Strömungsgeschwindigkeit und. Fahrrinne können sich schlagartig ändern. Wie so eine Furt aussehen kann, seht Ihr unten, und ob wir es dadurch geschafft haben, sowie Fahrtipps zu Flussdurchfahrten und mehr zum Hochland lest Ihr bald im zweiten Teil der F Roads!

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Drive-in

Man kann nicht unbedingt sagen, daß Isländer faul sind, und sich nicht gerne in der Natur bewegen. Aber sie verlassen nunmal ungern ihr Auto, einmal drin.
Wisst Ihr, wie man auf einem Parkplatz einer Sehenswürdigkeit die isländische Besatzung von einer ausländischen unterscheiden kann? Die Isländer steigen nicht aus. Kein Scherz.

Überhaupt, das Autofahren. Böse Zungen behaupten, wenn der Weg länger ist als das Auto selbst, wird gefahren!

Aber jetzt zu der praktischen Sache, auch für Euch: die tollen Drive-through Schalter an den Tankstellen. Fast jede Tankstelle im Land hat so einen Schalter an der Rückseite, und die haben nicht nur Nachts auf, sondern immer. Da steht dann freundliches Personal und sucht einem aus den Regalen alles zusammen, was man gerne hätte. Ohne Aufpreis natürlich. und den Motor kann man hier selbstverständlich auch laufen lassen. Toll, oder?

Keine Angst vor fremden Straßen

Wer noch nie in Island war, und sich fragt, wie es dort nun wirklich um den Zustand der Straßen bestellt ist, erfährt hier, wie es wirklich ist:

Besser als Du denkst, bzw schlimmer als Du denkst. Ganz einfach!

Typische A-Road wie z.B die Ringstraße Nr. 1

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Typische B-Road mit teilweise losem Schotter. Gut für 80 bis 90 km/h

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Dann die Straßen, die secondary Roads genannt werden. In den Westfjorden sind die noch einmal eine Spur ursprünglicher als im Rest des Landes. Mit normalen Fahrzeugen befahrbar.

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Als nächstes gibt es die Local Access Roads. Öffentliche Straßen, die zu Sehenswürdigkeiten, Kirchen, Stränden o.ä. führen, aber nicht für den reinen Durchgangsverkehr angelegt sind. Teilweise schwierig. Der hier auf dem Foto war beispielsweise überfordert.

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Dann gibt es Primary Mountain Roads. Das sind meist Pisten, die immer für eine Überraschung gut sind. Staub, Schlamm, Schnee und Eis, Nebel und Hagel, Felsen und so weiter. Toll. Nur für 4×4 Wagen.

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Dann die Spaßklasse, die F-Roads. Straßen, die sich ihrem Schicksal ergeben haben. Häufige Wasserdurchfahrten anstatt Brücken. Es empfiehlt sich, vorher Informationen zu sammeln über den aktuellen Zustand der Straße.

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Bliebe da noch die Königsklasse, die Hochlandpisten. Das ist nur etwas für Spezialisten und speziell ausgerüstete Fahrzeuge. Befahrbar sind sie nur im Sommer, d.h. ab Juni. Bilder folgen hoffentlich bald!

 

Fahrtipps und Überholen Teil II

Schlaglöcher sind ja das Salz in der Suppe isländischer Straßen. Und das schwere Los, wenn man im Sommer reist. Im Winter sind ja praktische Eisplatten drauf, die einen kinderleicht darübergleiten lassen.

Jede Straße hat ihr eigenes Muster, und man muß nach jeder nennenswerten Abbiegung bzw Kreuzung aufs Neue anfangen, die  Straße oder Piste zu „lesen“. Je nachdem welches Auto Ihr fahrt, und wie groß und griffig Eure Reifen sind, könnt Ihr dann beherzt Gas geben.

Merke: nicht immer ist langsamer auch besser! Sollte es einmal zu holprig werden, ruhig das Ganze mal ein gutes Stück schneller versuchen, häufig klappt es dann besser.

Achtung vor Brücken: die meisten Brücken im Land sind einspurig, deswegen bitte vorher (lange vorher) schon auf eventuellen Gegenverkehr achten. Auf B-roads und Schlechter sehen die Brücken teilweise sehr robust und auch modern aus, aber Vorsicht vor den Übergängen! Da, wo der Schotter übergeht in die Betonkonstruktion der Brücke, lauern regelmäßig die übelsten, weil tiefsten Schlaglöcher. Hier ist häufig Schritttempo angesagt!

 

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Brücken sind aber auch gefährlich, weil sie ein Nadelör sind für die omnipräsenten Schafe. Das bedeutet, daß die Fluchtmöglichkeiten logischerweise eingeschränkt sind, und wenn Ihr in der Szene wie oben mit 80 km/h ranschießt, gibt´s ein Problem. Aber der kleine Eisbär unten rechts hat wie immer aufgepasst 🙂

Wenn Ihr da so die Schlaglochpiste vor Euch herhoppelt, immer die Augen offen auf der Suche nach der nächsten Felgenfalle, werdet Ihr Euch beobachten, daß Ihr mitunter die ganze Fahrbahnbreite einnehmen werdet. Macht ja auch nichts, wenn links der Belag besser ist, kann man auch mal 20 km oder eine Stunde lang auf der linken Seite fahren. Ist ja eh kein anderer da.

Also hin und her springen, auch mal spontan, ist ok. Aber hier kommt die Gefahr und der Tipp: Geht mal davon aus, daß es Einheimische mit Superjeeps, sowie Laster und Busse mit größeren Reifen gibt, als Ihr sie habt. Die werden vermutlich schneller fahren können als Ihr, und wenn sie völlig wagemutig sind, auch mal überholen.

Blöd nur, wenn Du dann gerade mit Deinem Toyota Aygo oder Ähnlichem auf die linke Seite springst, um einem Schlagloch auszuweichen. Deshalb ist es unbedingt wichtig, regelmäßig (in den Westfjorden reicht stündlich :-)) hinter sich zu checken, ob ein Auto aufschließt.

Das gleiche Prinzip gilt auch, wenn Ihr überholen wollt. Seid darauf gefasst, daß der Vorausfahrende in jede erdenkliche Richtung ausscheren könnte und überholt mit Bedacht. Der nächste Pannendienst ist meistens weit…

Kennzeichen

Habt Ihr Euch schonmal gefragt, ob hinter den isländischen Kennzeichen ein bestimmtes System steckt? Tut es. Es ist recht simpel: die vordere Buchstaben und Ziffernkombination ist zufällig. Interessant ist jedoch die letzte Ziffer. Die kennzeichnet den Monat, in dem das Auto seinen TÜV hat. Jedes Auto in Island erhält einmal ein Kennzeichen, und behält das sein Autoleben lang, auch beim Verkauf. Steht hinten als letzte Zahl eine 7, ist der TÜV also immer im Juli fällig. Wer eine 0 hat, kommt im Oktober, und daß man einen November und Dezember nicht mit einer Ziffer ausdrücken kann, ist nicht schlimm, da ist es eh zu kalt für den TÜV, da kommt man eben später oder früher. So ist das, im Ernst! Auch wer eine 1, 2, 3 oder 4 hat, und in einer Gegend lebt, wo der TÜV nicht eben um die Ecke ist, bekommt eine Schonfrist, bis es wieder zumutbar ist, zu fahren. So nett ist das System 🙂

Weil allein die Nummer ja nichts über den TÜV Zustand aussagt, gibt´s dann nach der bestandenen Prüfung einen Aufkleber aufs Nummernschild mit der Jahreszahl drauf der nächsten Fälligkeit. Privatautos müssen jährlich zur Untersuchung.

Es gibt noch schwarze Kennzeichen mit silbernen Buchstaben, das sind die alten, aber immer noch gültigen Kennzeichen. Zu finden, logischerweise, auf alten Autos. Als Oldtimer gilt ein Auto in Island bereits ab 25 Jahre, und die sind auch komplett steuerbefreit.

An den alten Kennzeichen konnte man übrigens noch erkennen, woher ein Auto stammte. So stand z.B. der Buchstabe X am Anfang für die Region Akureyri (so wie bei meinem Tercel).

Coole Autos und Superjeeps

Hier findet Ihr Inspirationen darüber, wie man in Island unterwegs sein kann.

Oder vielleicht auch, wie Euer Auto ausehen könnte. Coole Autos eben.

Island 030Island 074 Dieses Auto heißt WWW und gehört zur Flotte von http://www.discover.is aus Reykjavik. Ihn und seine Brüder JOY, YAY und FUN kann man mit Fahrer für mehrtägige private Touren buchen. Ein Hammer Erlebnis!

Island 2013 006 Nie ohne GoPro!

Island 432 Damit sollte so ziemlich alles klappen!

Ipad vor Island 196 Die kann man mieten, gut für zwei Personen. Basis ist Dodge RAM.

Ipad vor Island 226 Ein Klassiker und kein bisschen müde

Ipad vor Island 344 Urtypisch. Quad auf Dodge RAM.

Ipad vor Island 070 Ipad vor Island 088Ipad vor Island 090 Ipad vor Island 109 Das beste Auto aber zum Schluß! Du musst nur Vertrauen haben 🙂 Mein 25 Jahre alter 4WD Tercel vor, während und nach einer 2000 km Tour durch die Westfjorde. Please do not try this at home!

Dieser Teenager hier hat mit 15 Jahren angefangen, sein eigenes Traumauto selbst zu bauen. Hier seht Ihr das Ergebnis. Heute, mit 17 ist er stolzer Besitzer eines Führerscheins und eines einzigartigen Toyota Hilux mit verlängerter Karosserie, höhergelegtem Fahrwerk und 44 Zoll Rädern. Chapeau!

 

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Welches Auto?

The bigger, the better!

Dieser weise Spruch gilt hier mehr als anderswo, denn häufig steht ein großes Auto für eine große Überlebenschance. Nicht ganz ohne Grund hat Island die höchste SUV-Quote weltweit.

Warum ist das für Dich wichtig zu wissen? Zum Beispiel bei der Mietwagenwahl. Und wenn es bei Stammtischgeschichten mal wieder um das alte Thema der Kontinentaleuropäer geht: „Schaut euch die doofen Isländer an, keine Kohle, alle pleite, aber jeden so nen dicken Jeep vor der Garage!“

Wer einmal hier war, sollte es besser wissen: Räder bis 44 Zoll (das ist fast hüfthoch) sind der Schlüssel zum Bezwingen der übelsten Pisten. Und die fangen hier nunmal direkt hinter der Hauptstraße an.

Was heißt das also im täglichen Leben und für den Touristen, der die Insel erkunden möchte?

Ein kleines Auto ist problemlos einsetzbar in allen Städten und auf der Ringstraße 1 (zumindest im Sommer, also von Juni bis Mitte August). Schwierig kann es werden auf den Teilstücken südlich von Akureyri (zwischen Kreuzungen der Straßen 821 und 752) wegen der recht hohen Pässe und Schneeverwehungen zu den kuriosesten Zeiten, sowie der Ostküste mit den teilweise anspruchsvollen Quertraversen Pässen nach Egilsstaðir und nicht zuletzt noch einmal das Mittelgebirge westlich davon auf dem Weg Richtung Myvatn.

Schwierig heißt: steile Anstiege, Schneeverwehungen, Glatteis auch im Hochsommer
(Foto vom 31. August 2013 südl. von Akureyri). Das ist übrigens mein Auto. 25 Jahre alt, 4WD, herrlich robust. Ein Traum!

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Überholen…

…ist in Island weitgehend unbekannt. Nein, im Ernst. Trifft ein Isländer auf einer einsamen, schnurgeraden Straße auf ein vor ihm fahrendes Auto, das anstatt seiner 80 vielleicht nur 72 km/h fährt, wird das zweite Auto im Zweifelsfalle die nächste Stunde auch nur 72 km/h fahren.

Überholen ist in jedem Falle die stressigere Wahl, mit Gefahren verbunden, und überhaupt hat das dann nichts mehr mit cruisen zu tun. So ist das hier. Und es ist herrlich entspannt. Probierts aus.

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So ist´s völlig falsch: Im Bild ein fassungsloser Isländer, der bei Tempo 70 überholt wird. Bitte nicht nachmachen! Echt jetzt!

Gefährliche Schafe

Das Fahren auf Isands Straßen und Pisten ist tricky. Generell gilt, isländische Autofahrer haben die Ruhe gepachtet. Mit Ruhe um Umsicht hat man hier die größten Chancen, das Land wieder lebend zu verlassen, also solltet Ihr das Gleiche tun. In der Ruhe liegt die Kraft.

Hinter buchstäblich jeder Ecke lauern Gefahren, die in Europa zum Teil völlig unbekannt sind. Geröllhaufen hinter Kurven, Felsspalten, ein reißender Fluß, der gestern noch nicht da war, ein Vogelschwarm auf ein Meter fünzig Höhe, Windhosen, Glatteis im August, oder eben Schafe.

Hier der ultimative Schaf Tipp: näherst Du Dich ein paar Schafen, die am Straßenrand grasen, suche zuerst den Rest der Herde. Schafe sind Flucht- und Herdentiere gleichermaßen, wenn sie sich also durch ein Auto bedroht fühlen, werden sie immer zum Rest der Herde fliehen.

Stehen die Schafe nun rechts der Straße, und der Rest der Herde ist auf der anderen Straßenseite, also links, werden Dir mit Sicherheit kurz bevor Du auf gleicher Höhe bist, ein paar Schafe vor die Motorhaube springen. Stehen jedoch die restlichen Schafe noch weiter, sagen wir 30 Meter von der Straße weg, nach rechts, wird mit ziemlicher Sicherheit kein Schaf die Straße betreten.

Hast Du doch mal ein Schaf erwischt, musst Du das dem Bauern ersetzen, sprich zahlen. Alle Tiere sind gekennzeichnet und können so leicht identifiziert werden. Diese Regelung gilt allerdings nur außerhalb von Ortschaften. In bebautem Gebiet ist der Bauer dafür verantwortlich, daß keine Unfälle passieren (meist gibt es dort Wildgatter). Zur Info, wenn es mal soweit ist, es gibt keine Einheitspreise, aber je nachdem ob Lamm oder Schaf usw. seid Ihr mit unter 100 Euro dabei.

Aber Dinge passieren, und man sollte auf jeden Fall so ehrlich sein, und einen Zwischenfall melden. Das kann man an jedem Gehöft machen, da Ihr davon ausgehen könnt, daß hier eh jeder jeden kennt, zumindest in der Gegend. Jeder wird Euch helfen, aber Ehrlichkeit wird verlangt. So funktioniert das hier.