Kleine Stadt ganz groß

Jetzt muß ich mal was loswerden. Beim Blick auf die Landkarte, bei der Reiseplanung etwa, fällt jedem Islandinteressierten mühelos auf, das die Mehrzahl der Ortschaften, die über Island verteilt sind, wirklich klein sind. Abgesehen von drei, vier Städten, darunter natürlich die Hauptstadt Reykjavik mit ihren zahlreichen Vororten wie Mosfellsbær, Kopavegur oder Hafnarfjörður und Garðabær.
So, in Deutschland wohne ich in einem süßen Dorf im Schwarzwald mit 2500 Einwohnern. Dort gibt es zwei Restaurants, einen Krämerladen, der halbtags geöffnet hat, einen Frisör, einen Bäcker, Kirche, Friedhof, Schule, Kindergarten. Ich will jetzt keineswegs die reizende Schwarzwaldidylle in Frage stellen, aber infrastrukturell ist Luft nach oben. Gute Schwarzwaldluft.

Falls Ihr beim Blick auf die Karte Islands vielleicht Befürchtungen bekommen solltet, einmal raus aus der Hauptstadt wäre man verraten und verkauft und Ihr im Fall der Fälle aufgeschmissen…hier ein (wohl nicht vollständiger) Überblick über eine 2300 Einwohner Gemeinde am Beispiel Húsavíks:

2 Tankstellen, ein Discounter, ein Supermarkt, eine Bäckerei, sechs Frisöre, ca. 12 Restaurants, 2 late night Bars, ein Fischereihafen, ein Touristenhafen, ein Walmuseum, ein Kulturmuseum, Polizeistation, Krankenhaus, Einrichtungsgeschäft, drei Klamottenläden, Baumarkt, eigene Mülldeponie, eigenes Kraftwerk, Motocross Anlage, Freibad, Apotheke, zwei Banken, ein Alkoholgeschäft (Vinbuðin), vier Fußballplätze, einer davon Echtrasen, öffentlicher Jaccuzzi mit Thermalwasseranschluss, über 10 Pensionen, 5 Hotels, Pizza Heimservice, Rotary, Lions, Round Table, Kiwanis Clubs mit je eigenen Clubhäusern, Freimaurerloge, ein Theater, ein Kulturzentrum, Schulzentrum mit Kindergarten, Grundschule und Gymnasium, Sportzentrum mit Indoor Fußballhalle, Kirche und Friedhof, Campingplatz, eine Buchhandlung, zwei Handyläden, zwei Coffeshops, ein Pub, zwei Gewerbegebiete, ein Schrottplatz, drei Autowerkstätten, zwei Coffee Shops, eine TÜV Prüfstelle, ein Schützenverein mit Schießanlage, ein Innenstadtpark, ein Elektrofachgeschäft, eines für Haushaltswaren, ach und ja…das Wichtigste: unseren geliebten Hot Dog Stand unten am Hafen (da gibts übrigens ein schönes Lied von „Element of Crime“ dazu).

So, was bleibt dazu zu sagen. Vielleicht noch, daß Euch von all diesen Dingen bei der Durchfahrt durch einen isländischen Ort vielleicht nur zehn Prozent ins Auge fallen, aber sie sind tatsächlich da. Die meisten sind ohne die Hilfe der Einheimischen nicht oder nur schwer zu finden. Wer vermutet schon im Kellergeschoss eines Buchladens Töpfe, Pfannen oder Waschmaschinen? Keine Scheu vorm Fragen, hier ist man hilfsbereit, und es ist alles da, glaubt mir. Denn was für Húsavík gilt, gilt woanders auch.
Na ja, halt nicht im Schwarzwald.

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Nachtrag: wie konnte ich es vergessen? Reizüberflutung nehme ich mal an. Also…: zwei Skilifte, die dritte Tankstelle, ein Altenheim, die Paintballanlage, den Golfplatz, die Fahrschule, den Autoverleih, die Austernbänke, já já!

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2 Kommentare zu “Kleine Stadt ganz groß”

  1. Bei „Freimaurerloge“ musste ich wirklich lachen 😀
    Auf die Elektro-Abteilung im Keller wäre ich ohne deine Hilfe nie gekommen, jetzt klappt es endlich mit der Musik im Auto. Danke für die Ratschläge 🙂

    1. Alles gut! Die Loge ist vorne am Ortseingang, neben dem großen Supermarkt am Eingang. Nicht zu übersehen. Ich hoffe, es hat Euch heute gefallen, trotz der unvorhersehbaren Ereignisse. Goða ferð & takk fyrir komuna

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